SPIEGEL ONLINE: Akuttherapie für dringende Fälle

Ab April
 
Psychotherapeuten bieten neue Sprechstunde an
Um die lange Wartezeit auf einen Therapieplatz zu verkürzen, bieten Psychotherapeuten ab April eine neue Sprechstunde an. In dringenden Fällen wird es auch Plätze für eine Akuttherapie geben.
Wer ein psychisches Problem hat, muss in der Regel monatelang warten, um mit einem Therapeuten sprechen zu können. Das soll sich nun ändern: Vom 1. April an müssen Psychotherapeuten laut Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) eine spezielle Sprechstunde anbieten, für die es kurzfristig Termine gibt. Patienten sollen zeitnah besprechen können, wie ihr Problem einzuschätzen ist und was sie im ersten Schritt tun können.
„Nicht jeder ist ja wirklich psychisch krank“, sagt BPtK-Präsident Dietrich Munz. Die neue Sprechstunde sei insofern auch eine präventive Maßnahme. Der Therapeut kann beispielsweise auf Beratungsangebote hinweisen, damit sich eine psychische Störung gar nicht erst entwickelt. Ist der Patient krank, kann bereits geklärt werden, ob eine Kurz- oder Langzeit-, eine Einzel- oder Gruppentherapie sinnvoll wäre.
Für Menschen, die sehr dringend Hilfe benötigen, gibt es ein weiteres neues Angebot: die Akuttherapie. „Wer etwa nicht mehr arbeitsfähig ist, muss gleich behandelt werden“, sagt Munz. 24 Sitzungen à 25 Minuten stehen dafür ab dem 1. April zur Verfügung. Der Krankenkasse müssen diese Akuttermine nur gemeldet werden, ein Antrag ist nicht nötig. „Die Betroffenen sollen schnell Hilfe bekommen“, sagt Munz.
(…)
„Wünschenswert wäre, dass die Wartezeit für einen Sprechstundentermin nur noch ein bis zwei Wochen beträgt.“ Um einen Termin zu bekommen, kann man sich auch an die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen wenden.
Wartezeit auf reguläre Therapie bleibt bestehen
Nach der psychotherapeutischen Sprechstunde bleibt alles, wie es ist, sagt Munz.
 
Die Wartezeit für eine reguläre Therapie verkürzt sich durch die neuen Regelungen nicht.  (!!)
Quelle: Spiegel online am 29.03.17

Bitte KEIN Verbot des Apotheken-Versandhandels

Das Bundes-Gesundheitsministerium erwägt dem Vernehmen nach  ein Verbot des Versandhandels REZEPTPFLICHTIGER Medikamente.
Im Einzelfall mag es zwar sinnvoll sein, dass ein kompliziertes Medikament nur vor Ort mit Beratung abgegeben wird, dies geschieht aber jetzt schon: So dürfen Medikamente die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen (Tavor etc.), nur lokal über niedergelassene Apotheken ambulant vertrieben werden.
Das Gros rezeptpflichtiger Medikamente ist aber sicher unproblematisch und kann über den Versandhandel vertrieben werden.
 
Uns erschliesst sich der Sinn eines möglichen Verbots nicht.
Eine Errichtung einer zusätzlichen Marktbarriere vor zusätzlichem Wettberwerb im abgeschotteten und viel zu wettbewerbsarmen Markt „Gesundheitswesen“/ Teilmarkt Medikamente bedeutet letztendlich natürlich höhere Preise. Entsprechend steigen dann natürlich auch Krankenkassenbeiträge.
 
Krankenkassenbeitragszahler sind auf einen funktionierenden Wettbewerb beim Vertrieb der rezeptpflichtigen Medikamente angewiesen, damit die Kassenbeiträge stabil bleiben.
(Diejenigen wenigen Substanzen, wo eventuell  lokale Beratung sinnvoll wäre, könnten theoretisch (analog BTM) im Vertrieb auf die lokalen Apotheken beschränkt werden.)
 

Trialogisches Symposium an der LMU am 18.02. ab 09:00 h

Aktuelles zu Diagnostik und Therapie der bipolaren Störung: ein trialogisches Symposium und Informationstag

Datum: 18. Februar 2017
Ort: Hörsaal der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Nußbaumstr. 7, 80336 München



9:00-9:15 Begrüßung
Thomas G. Schulze & Peter Falkai (München)

Grußwort
Karl-Walter Jauch
Ärztlicher Direktor des Klinikums (München)

9:15-9:30 Ambulante und stationäre Diagnostik und Therapie in der Nußbaumstraße 7
Farah Klöhn-Saghatolislam & Richard Musil (München)
9:30-10:30 Das Trialogische Konzept und die Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS)
Die ärztlich-therapeutische Perspektive
Martin Schäfer (Essen)
Die Patientenperspektive
Martin Kolbe (Zürich)
Die Angehörigenperspektive
Stefanie Hubert (Freiburg)
10:30-11:00 Kaffeepause
11:00-11:30 Leitliniengerechte Pharmakotherapie der bipolaren Störung: Lithium und andere Optionen
Michael Bauer (Dresden)
11:30-12:00 Bipolare Störung und Fahrtauglichkeit
Felix Segmiller (Günzburg)
12:00-12:30 Frühwarnsymptome des Rezidivs bei der bipolaren Störung: Erfahrungen aus der gemeindenahen Versorgung
Christian Simhandl (Wiener Neustadt)
12:30-13:00 Wie sieht gute Versorgung aus?
Peter Brieger (Haar)
13:00-14:00 Mittagsimbiss
14:00-14:30 Psychotherapeutische Ansätze zur Behandlung der bipolaren Störung
Julia Zwick (Tübingen)
14:30:15:00 Kinderwunsch und Schwangerschaft bei der bipolaren Störung
Johanna Kunze (Chemnitz)
15:00-15:30 Medizinische Komorbiditäten bei Patienten mit bipolaren Störungen
Florian Seemüller (Garmisch-Partenkirchen)
15:30 Abschlussbemerkung
Thomas G. Schulze (München)
Informationstag im Institut für Psychiatrische Phänomik und Genomik und der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Gelegenheit zum Austausch mit Vertretern der DGBS, dem Münchener Bündnis gegen Depression sowie lokalen Selbsthilfegruppen

Spiegel online: Valproinsäure …

SPIEGEL ONLINE

27. Januar 2017, 11:03 Uhr

Valproinsäure

Ärzte verschrieben gefährliches Medikament an Schwangere

Von

In Frankreich wurde Tausenden Schwangeren ein Medikament verordnet, das bei Kindern Missbildungen auslösen kann. Auch in Deutschland könnte es Betroffene geben.

Einen Fonds mit zehn Millionen Euro wird der französische Staat einrichten, die Pharmafirma Sanofi will man auch noch zur Kasse bitten: Es sollen Frauen entschädigt werden, denen in der Schwangerschaft der Wirkstoff Valproinsäure verschrieben wurde – ohne sie über die Risiken aufzuklären. Viele von ihnen brachten später Kinder zur Welt, die durch das Medikament geschädigt wurden.

In Deutschland wird Valproinsäure ebenfalls seit Langem verordnet, zur Behandlung von Epilepsie, aber auch bei bipolaren Störungen, Manien oder Migräne. Es ist unter verschiedenen Produktnamen im Handel, wie zum Beispiel Convulex, Ergenyl, Orfiril, Valpro beta oder Leptilan .

Dass Valproinsäure während der Schwangerschaft zu embryonalen Missbildungen wie einem offenen Rücken (Spina bifida) führen kann, ist seit den Achtzigerjahren bekannt. Es gibt auch seit Langem Warnhinweise in der Packungsbeilage – in Frankreich genauso wie in Deutschland.

20 Jahre später mehrten sich Hinweise, dass Valproinsäure zudem Autismus, Entwicklungsstörungen und eine Intelligenzminderung bei Kindern auslösen kann, wenn deren Mütter es während ihrer Schwangerschaft einnahmen. Spätestens ab 2004 hätte man Patienten darüber informieren müssen, so beurteilte die französische Untersuchungsbehörde IGAS die Datenlage (pdf).

EU schränkte Anwendung ein

Tatsächlich wurde erst zehn Jahre später, nämlich Ende 2014, auf EU-Ebene eine Beschränkung der Indikation beschlossen. Valproinsäure soll demnach Frauen im gebärfähigen Alter oder Mädchen nur noch im absoluten Ausnahmefall verschrieben werden. Dann nämlich, wenn wirklich kein anderer Wirkstoff hilft, und auch nur noch bei Epilepsie oder bipolaren Störungen.

Zudem soll nachweislich über die Gefahren aufgeklärt werden. In der Begründung der EU werden das Risiko von 30 bis 40 Prozent für spätere Entwicklungsstörungen und Intelligenzminderung bei Kindern genannt sowie ein fünfmal höheres Risiko für Autismus. Das Risiko für Missbildungen wie einen offenen Rücken oder eine Gaumenspalte sei auf etwa 11 Prozent erhöht (gegenüber einem 2- bis 3-prozentigem Risiko bei anderen Kindern), wenn Schwangere Valproinsäure nehmen.

Vor der EU-weiten Regelung waren in Deutschland (2003) und in Frankreich (2006) zwar die Warnhinweise in der Packungsbeilage verschärft worden. Doch zumindest französische Ärzte verordneten Schwangeren weiterhin Valproinsäure. Der IGAS-Untersuchung zufolge wurden danach noch etwa 450 Babys durch das Medikament geschädigt oder tot geboren.

In einem Bericht der französischen Arzneimittelaufsicht ANSM (pdf) und der Krankenkassen heißt es sogar, dass noch mehr als 14.000 Schwangeren das Mittel verschrieben wurde, von denen 4300 einen Abbruch vornahmen. Zu welchem Anteil Fehlbildungen der Grund waren, wird nicht genannt. Darüber hinaus soll es zu fast 800 Fehlgeburten und 115 Totgeburten gekommen sein.

Aufklärung in Deutschland steht aus

Anders als in Frankreich bleiben Bemühungen, den Skandal aufzuarbeiten, in Deutschland offensichtlich aus.

Das geht jetzt aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linkspartei hervor. Demnach unternimmt das Gesundheitsministerium nichts, um die Verschreibungspraxis der Ärzte rückwirkend aufzuklären.

Es verweist lediglich auf den französischen IGAS-Bericht, wonach Valproinsäure in Deutschland weniger häufig als in Frankreich verschrieben werde. Eigene Erkenntnisse zu Verordnungen im Hinblick auf Alter und Geschlecht lägen der Bundesregierung nicht vor.

Die Zahlen lassen sich beim Wissenschaftlichen Institut der AOK (WidO) erfragen. Demnach wurde in den letzten zehn Jahren etwa 250.000 bis 290.000 mal jährlich Valproinsäure an Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter verordnet (Verschreibungen niedergelassener Ärzte an gesetzliche Versicherte). Die Tendenz ist leicht sinkend.

Bemerkenswert ist, dass es 2015 in dieser Gruppe gerade einmal 11.000 Verschreibungen weniger gab als noch 2014, nämlich immer noch rund 237.000. Wie viele Frauen aus dieser Gruppe schwanger wurden, ist aus den Zahlen nicht abzulesen.

Und das, obwohl der Wirkstoff nur noch als letztes Mittel eingesetzt werden sollte. Ob das wirklich so gehandhabt wurde, bleibt offen: So nennt die Datenbank Embryotox der Charité immerhin fünf Wirkstoffe als Alternativen, die gut oder zumindest besser mit einer Schwangerschaft verträglich sind.

Entscheidend ist auch, wie verantwortlich deutsche Ärzte vor der EU-Regelung Frauen behandelt und beraten haben. Und wie gut informiert welche Berufsgruppe war. Neben Neurologen verordnen auch Psychiater, Allgemeinmediziner und Kinderärzte Valproinsäure.

Stefan Stodieck ist ärztlicher Leiter des Epilepsiezentrums Hamburg. Aufgrund seiner persönlichen Erfahrung geht er davon aus, dass „die meisten Neurologen in Deutschland Valproinsäure schon seit Langem nicht mehr an Schwangere verschrieben haben“. Wie geläufig die Studienlage niedergelassenen Kollegen, Kinderärzten und Allgemeinmedizinern gewesen sei, sei unklar.

Er berichtet, dass es früher üblich war, mit einer Valproinsäure-Behandlung bei jungen Mädchen zu beginnen. Wenn diese alt genug wurden, um selbst ein Kind zu bekommen, sei die Umstellung auf andere Medikamente mitunter gescheut oder schlichtweg versäumt worden.

Vor 2014 „nicht auf dem Schirm“

Auch bei den Psychiatern hat der Informationsfluss der alarmierenden Daten offenbar nicht reibungslos funktioniert. Jan Dreher, Chefarzt im psychiatrischen Fachkrankenhaus Königshof in Krefeld, berichtet von Kollegen, die erschraken, als 2014 ein sogenannter Roter-Hand-Brief Ärzte und Apotheker über die hohen Risiken aufklärte. „Vorher hatte man das so nicht auf dem Schirm, es wäre kein Ausschlusskriterium für eine Verschreibung gewesen“, so Dreher.

Hätten Behörden und Hersteller auch in Deutschland eher und besser aufklären müssen?

Kathrin Vogler, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion der Linkspartei, hat die Kleine Anfrage mitverfasst. Die Regierung versuche, die Bedeutung des Skandals in Deutschland herunterzuspielen, sagt sie. Man müsse „umfassend untersuchen, wie viele Kinder in Deutschland geschädigt wurden und ob die Behörden genug getan haben, um das zu verhindern“.

Das Bundesgesundheitsministerium jedenfalls schließt nicht einmal aus, dass es zu Entschädigungsforderungen kommen könnte. „Mögliche Ansprüche gegen die Bundesrepublik Deutschland müssen im Einzelfall geklärt werden“, heißt es in ihrem Antwortschreiben.

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Kinder bipolar ?

Im Netz kursieren mehrere Doks aus den USA und England, in denen Kinder, die angeblich bipolar sind, mit hochwirksamen Psychopharmaka und Neuroleptika zugedröhnt werden.

In den USA werden bereits Kinder als bipolar diagnostiziert, während hingegen  beispielsweise in Deutschland die Diagnose Bipolarität erst ab dem  jungen Erwachsenenstadium möglich ist.

Uns stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, im Wachstumsstadium befindliche Organismen mit hochwirksamen Psychopharmaka zu bombardieren und ob diese Praxis nicht eine Verschlimmbesserung darstellt.

Psychotherapie: Optionen

Allgemein herrscht Übereinkunft, dass Psychotherapie – ggf. neben Medikamenten – kurz- mittel- und langfristig wirksame Therapie bedeutet und unbedingt notwendig zur persönlichen Weiterentwicklung bei psychischen Störungen ist.

Es besteht die Wahl zwischen Verhaltenstherapie (VT), tiefenpsychologisch fundierter Therapie und Psychoanalyse.

Während bei VT die individuelle Herkunft, seelische Biografie und Umfeldbedingungen des/der Klienten/in zwar mit berücksichtigt, aber nicht weiter analysiert werden und das „normale“ Verhalten/ bzw. das Erlernen „richtigen“ Verhaltens/ „richtiger“ Kognitionen angesichts alltäglicher Aufgaben im Zentrum der Behandlung stehen, werden  bei psychodynamischen Verfahren und Psychoanalyse die Herkunft/ (frühe) Entwicklung der/ des zu Behandelnden ins Zentrum gestellt.

Verkürzt ausgedrückt wird bei VT „richtige/s“ Kognition und Verhalten gelernt, wohingegen bei tiefenpsychologischen V. und Psychoanalyse der Umweg über das Erkennen der individuellen seelischen Entwicklung im Kontext der Beziehungen, Erziehung und Umfeldbedingungen genommen und so der/ m Klientin/ en ein Erklärungsmodell des eigenen Empfindens/ Verhaltens geliefert wird. Das Erklärungsmodell kann dann individuelle Verhaltens- und Kognitionsmuster offenbaren und die Richtung hin zu Kognitions- / Verhaltensänderungen weisen.

Bei Bipolaren wird häufig von Psychoanalyse abgeraten, da die dort in der Therapie auftretenden emotionalen Belastungen (etwa bei frühkindlichen Erinnerungen oder bei der Behandlung der Beziehungen zu Bezugspersonen) eine emotionale Schieflage anstossen können angesichts des ohnehin schwer balancierbaren Emotionshaushalts. Hierbei ist jedoch zuj beachten, dass die/der zu Behandelnde jederzeit die Therapie inhaltlich bestimmen kann und beispielsweise auch belastende Behandlungsinhalte beenden kann.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang ist, dass die Behandlungsdauer (bewilligte Stunden) bei Pychoanalyse am höchsten  ist.

Unserer Ansicht nach muss in Zukunft hinsichtlich der einzelnen Therapieoptionen integrativer gedacht werden und Mischformen der Therapie angeboten werden.

Förderung durch die gesetzlichen Krankenkassen

 Wir werden weiterhin durch die gesetzlichen Krankenkassen und ihre Verbände in Bayern – Runder Tisch Region München – gefördert.

Dies bedeutet, dass uns weiterhin eine Funktion als zusätzliche Säule im Gesundheitswesen zuerkannt wird.